Der Größte Feind

In dieser Gruppenübung reflektieren die Patienten im Austausch ihr Selbstbild. Hierbei lernen die Patienten das größte Hindernis in der Heilung kennen: Sich selbst.

Wie immer bekommt jeder Patient ein Klemmbrettchen mit ein Paar Blättchen und einen Kugelschreiber. Dann bitte ich die Patienten zunächst darum alle negativen Eigenschaften aufzuschreiben die Ihnen über sich selbst einfallen. Wenn ich merke, dass keiner mehr schreibt, stoppe ich.

Als nächstes Bitte ich darum, dass sie alle positiven Eigenschaften aufschreiben, die Ihnen zu sich selbst einfallen. Hier werden die Patienten wahrscheinlich weniger aufschreiben und auch immer wieder mal ratlos drein schauen.

Zuletzt bitte ich die Patienten alle positiven Eigenschaften an jemandem aufzuzählen, der zwei oder drei Plätze weiter sitzt. Das wird unter Umständen auch nicht ganz einfach sein, aber für gewöhnlich geben sich die Menschen viel Mühe etwas positives zu finden.

Danach bitte ich die Patienten auszuzählen:

  • Wie viele negative Eigenschaften sie bei sich selbst gefunden haben.
  • Wie viele positive Eigenschaften sie bei sich selbst gefunden haben.
  • Wie viele positive Eigenschaften sie bei anderen gefunden haben.

Normalerweise ergibt sich dann folgende Rangfolge, bei den Patienten:

  1. Eigene Negative Eigenschaften
  2. Fremde positive Eigenschaften
  3. Eigene positive Eigenschaften

Oder kurz: Schlechte Eigenschaften treten an sich selbst häufig sehr deutlich in der Wahrnehmung hervor. Stärken sieht man bei anderen meist einfacher und leichter, als an sich selbst.

Hier kann man sehr gut die Selbstzerfleischungstendenzen aufzeigen, die Patienten häufig von sich selbst haben. Ich bitte die Patienten dann häufig die Positiven Dinge von anderen Patienten mal zu nennen, die sie notiert haben. Häufig entsteht dann eine warme wohlige Athmosphäre mit einigen „warmen Duschen“.

Ich bitte die Patienten auch die positiven Dinge, die sie selbst gefunden haben kundzutun. Zuletzt bitte ich die Patienten sich eine Eigenschaft an sich selbst auszusuchen, die Ihnen nicht so gefällt um daran eine Vorgehensweise zu illustrieren.

„Bitte überlegen sie sich, was ein sehr wertschätzender Freund, oder eine väterliche oder mütterliche Figur zu Ihnen sagen würde, wenn sie bemerkt, dass sie so über sich denken.“

Unterbrechen sie dann bitte in der Selbstzerfleischung den Gedanken, und überlegen Sie sich, was diese Figur zu ihnen sagen würde. Ich sammel die dann „Schwächen“ ein und überlege mit dem Rest der Gruppe, was diese wertschätzende Person sagen könnte.

„Ich lasse mich immer unterbuttern!“, achso sie meinen, dass sie sehr rücksichtsvoll sind?

„Ich bin schüchtern!“ sie wollen die Grenzen anderer nicht überschreiten und sind daher vorsichtig?

Sie können sich alle erdenklichen Eigenschaften vorstellen, die andere häufig netter zurückmelden können als man selbst. Häufig sind darin sogar Stärken enthalten die man herausfinden kann.

Zuletzt sollen die Patienten das Vorgehen verinnerlichen:

  1. Stoppe den negativen Gedanken
  2. Denke was die wertschätzende Person sagen würde
  3. Benutze diesen Satz als Affirmation

Diese Übung ist in der Gruppe häufig effektiver als im Einzel, da die Patienten einem Therapeuten oft implizit unterstellen wollen, dass er einem aus instrumentellen Zwecken Komplimente macht.

Hier kommt die warme Dusche von den Mitpatienten. Viele sind komplett überrascht, wie positive andere über sie denken.

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